Zwei Abschiede und ein Klappbett

| 7. September 2012 | 3 Kommentare

Zurzeit sieht es an der Jobbörse mal wieder eher mau aus. Denn nach den drei Tagen Fischfabrik hieß es zwar, es müsste bald wieder ein paar Schichten für Max und mich geben, aber bisher war das ja noch nicht der Fall. An einigen Tagen war anscheinend der Wind so stark, dass die Schiffe nicht aufs Meer fahren konnten, aber da mittlerweile das Wetter wieder besser ist, werden wohl einfach nicht so viele Arbeiter gebraucht. Eine andere Arbeit für mich gab es in der letzten Woche auch nicht, was auch dadurch zusätzlich erschwert wird, dass ich unseren Van J.D. ja tagsüber nicht habe, und deswegen abgeholt werden müsste. Besonders viel Glück mit meinen Jobs hatte ich nach den ersten zwei Wochen also nicht, aber jetzt geht es bestimmt aufwärts: Eben gerade hat Sheree, die Hostelbesitzerin, die die Jobs organisiert, mir gesagt, ich könne morgen und übermorgen hier Unkraut jäten. Also gilt nun: nach dem Warten kommt der Garten. Und natürlich: niemand sonst ist so integer wie der Beet- und Blumenpfleger.

Wie Jan letztes Mal schon angemerkt hatte, sind ja mittlerweile unsere Ex-Zimmerkollegen Jannik und Kaddo gen Rotorua aufgebrochen und wir waren am Wochenende vor ihrer Abreise noch im Irish Pub. Leider war Jan auf Abruf für seine Nachtschicht und konnte nicht mitkommen. Wir hatten aber noch die drei norddeutschen Mädels Jana, Nora und Swantje dabei und haben uns dort mit zwei Bekannten von Jannik und Kaddo aus Auckland getroffen. War also eine lustige Runde. Dort haben wir dann direkt einen Kiwi kennen gelernt, der bereits sehr lustig drauf war und uns die ganze Zeit erzählt hat, wie sehr er doch Deutschland liebt. Leider hatte er noch einen etwas schleimigen Freund aus Nordirland dabei, den keiner so recht mochte. Aber trotzdem ist der Pub echt empfehlenswert, der Eintritt war kostenlos und es gab eine Liveband, die fast den ganzen Abend gespielt hat. Zu guter Letzt hat unser Kellner uns dann sogar noch Drinks spendiert. Ich hatte ihn nach „B 52“ gefragt, einem echt leckeren Shot aus Kahlua, Baileys und Rum. Er meinte, den gebe es zwar nicht auf der Karte, aber er könne ihn für 7,50$ machen. Das war mir allerdings zu teuer und ich bin wieder an den Tisch gegangen. Und dann kam er auf einmal mit drei Gläsern zu uns, stellte sie hin, sagte, das sei was wir wollten und ging wieder. Wir waren verblüfft, aber erfreut, dass die Kellner des Landes offenbar genauso nett sind wie viele seiner Einwohner.

Da in unserem Viererzimmer dann wieder zwei Betten frei waren, gab es ein paar neue Gesichter. Jan und ich sind übrigens nach zwei anderen Deutschen die alteingesessensten Residenten in der Lodge, wir fühlen uns hier wirklich recht wohl. Jedenfalls kam gleich am Tag von Janniks und Kaddos Abreise ein neuer Zimmermitbewohner, und zwar aaaaaauuus… *Trommelwirbel* …Dschörmeni! Woher denn bitte auch sonst? Er war nett, blieb aber nur zwei Nächte und ist heute Morgen schon wieder abgereist. Gestern ist aber noch ein Neuer angekommen, zu unserem Erstaunen ein Franzose. Somit bilden unsere Schnecken verspeisenden Nachbarn aus dem Südwesten jetzt mit ganzen 4 Personen die größte Gruppe nach den Deutschen, von denen es hier wirklich nur so wimmelt.
Der neue Franzose ist jetzt wie ich einer von ziemlich vielen, die tagsüber meist im Hostel sind, weil so wenig Jobs verfügbar sind. Und wenn man länger hier ist, wird man irgendwann eben auch ein bisschen erfinderisch. Zum Beispiel wurde der Billardtisch leicht manipuliert, sodass man jetzt anstatt für jedes Spiel 2 Dollar zu zahlen, einfach die eingelochten Kugeln  aus in den Löchern befestigten Plastiktüten nehmen muss. Bisher ist das den Hosteleltern auch noch nicht aufgefallen, die sind wahrscheinlich höchstens angenehm überrascht von der ungewöhnlich hohen Anzahl der ausgetragenen Billardpartien.

Im Uhrzeigersinn: Himmel, Sonne, Meer, Gras, Bäume, Wolken. Schönschön.

Kürzlich hat sich ja auch mein Fischkollege Max einen kleinen, feinen Van gekauft, den wir heute ein bisschen aufgebessert haben; er hat jetzt ein Klappbett. Zunächst mal haben wir herausgefunden, dass man die beiden hinteren Sitzreihen durch Abnehmen der Kopfstützen und Umklappen der Bänke ziemlich ebenerdig machen kann, was die Sache schon deutlich erleichterte. Dann haben wir eine ziemlich gute Lösung gefunden: Das Bett selbst besteht aus drei Holzplatten, die mit Scharnieren verbunden sind, sodass man es zusammenklappen, durch die Tür herausnehmen und in den Kofferraum stellen kann. Dadurch hat man bei Bedarf die Möglichkeit, trotzdem Leute auf den Sitzbänken mitzunehmen. Und unter dem Bett liegen zur Stabilisation und zum Ausgleichen der restlichen Unebenheiten zwei ca. einen Meter lange Holzpfosten mit quadratischer Grundfläche. Den Plan hatten wir uns auch schon so überlegt und die Materialien im Baumarkt gekauft, als wir, wieder zurück am Hostel, merkten, dass wir als einziges Werkzeug den Schraubenzieher eines Schweizer Taschenmessers hatten. Zum Glück halfen uns der Herbergsvater Rick und sein Akkuschrauber, die 36 Schrauben zu setzen. Denn er verleiht sein Werkzeug nicht mehr, seitdem er mit dem Borgen an Backpacker ein paar schlechte Erfahrungen gemacht hat. Aber gegen eine weitere helfende Hand hatten wir natürlich auch wenig bis gar nichts einzuwenden. Diese Art, ein Bett im Auto zu haben, ist auf jeden Fall nicht übermäßig teuer (das Bett und zwei Isomatten haben etwa 140 Dollar gekostet), nicht schwer zu bauen und man ist wirklich sehr flexibel. Kann ich also allen Backpackern mit Auto ans Herz legen, wenn wir nicht schon ein Bett im Van gehabt hätten, würden wir es wahrscheinlich auch so machen.
Aber unser J.D. gefällt uns schon sehr gut, so wie er jetzt ist und wir wollen gar nichts an ihm ändern. Bald hat er auch wieder eine längere Tour vor sich, denn in einer Woche werden wir Tauranga verlassen und uns ab in den Süden nach Rotorua aufmachen. Zumindest sind das unsere aktuellen Pläne. Denn schließlich kann sich hier in einer Woche vieles ändern.

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (3)

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  1. Felixx sagt:

    Schöner Artikel. Ich habe auch ein Jahr work and travel gemachtn, jedoch in Australien. Auf einem Klappbett konnte ich dort leider nie schlafen, sondern fast immer nur auf einer dünnen Luftmatratze:D es war trotzdem sau gut.

  2. Lea sagt:

    Diese Klappbetten sind einfach für jegliche Art von Unterwegssein geeignet. Wir waren kürzlich auf unterwegs und haben unseres in einem Wohnmobil aufgestellt.

    Wie lange hat denn nun das Klappbett gehalten, ist ja schon ein paar Jahre her dein Beitrag? 🙂

  3. Stefen sagt:

    …Gina sagt gerade zu mir:
    „Hoffentlich hat die Hostelwirtin keine Adresse von diesem Blog – sonst war’s dass mit dem Billiard und Unkraut jäten…“

    Lieben Gruß an Jan und dich!
    Wenn ich so lese, was ihr beiden bisher so alles an diversen Van gebastelt habt, hätte ich da mal ’ne Anfrage:
    Also mein Passat wird, wenn ihr wieder da seit, 11Jahre alt sein, ca. 370.000km auf’m Buckel haben und müsste dann zum TÜV – ob ihr da mal drüberschauen könntet?
    Außerdem ist es schon ein laaanger Traum von mir, so’nen Bett könnte ich auch gebrauchen….

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