Spring Awakening

| 12. September 2012 | 1 Kommentar

The Gärtner is back! Der Unkraut-Job, den Sheree angekündigt hatte, ging sogar drei Tage und war gar nicht schlecht. Denn der Arbeitsplatz war ca. 10 Sekunden von meinem Zimmer entfernt und ich musste erst um 9 Uhr anfangen. Dann hieß es zwar harken, schaufeln und auf den Boden rumkrabbeln aber das war trotzdem noch besser als die ganze Nacht zwischen frischen Fischen zu verbringen. Die Bezahlung war auch okay, 11 Dollar Cash, was etwa dem Mindestlohn abzüglich Steuern entspricht. Außerdem hat Rick mir am Ende als Dank noch ein Bier überreicht, damit war es dann endgültig ein guter Job.

Am Abend von meinem zweiten Arbeitstag gab es einen kleinen Eklat im Hostel. Denn ein paar Leute hatten mal wieder verbotene pflanzliche Substanzen geraucht, diesmal aber sogar im Aufenthaltsraum. Und kurz danach kam Rick, der Herbergsvater, der strikt gegen alle Drogen ist, in den Raum und natürlich war der Geruch da noch nicht verflogen. Er war stinksauer und drohte, den Übeltäter rauszuwerfen. Aber wir versammelten Lodge-Gäste hielten solidarisch zusammen und niemand verriet irgendwen. Und als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, entdeckte Rick dann auch noch, dass der Billardtisch mithilfe von Plastiktüten in den Löchern ein wenig bearbeitet worden war, sodass der 2-Dollar-Tisch zum kostenlosen Spielen einlud. Und die beiden Mädchen, die unglücklicherweise gerade eins ihrer ersten Spiele machten, als Rick reinkam, mussten erstmal jeweils 25 Dollar blechen. Später zeigten sich aber die paar Leute, die die manipulierte Billardspielstätte hauptsächlich genutzt hatten, einsichtig und legten zusammen, um gemeinsam für die Strafe aufzukommen.

Am Abend darauf gab es einen Geburtstag zu feiern und am darauffolgenden Tag hatten viele wegen schlechter Wettervorhersagen frei, deswegen war das Licht in den Gemeinschaftsräumen wieder ein bisschen länger an. Diesmal aber ohne Besuch von Rick. Ich war ja fertig mit der Gartenarbeit und ging daher auch davon aus, am nächsten Tag einen day off zu haben. Also auch schön lange aufgeblieben, weil ich ja ausschlafen können würde. Denkste! Denn nach zu wenigen Stunden Schlaf rief morgens um halb acht aus heiterem Himmel meine Supervisorin von der Fischfabrik an und sagte, ich solle so schnell wie möglich dort auftauchen. Ich sagte natürlich zu. Nachdem ich kurz darauf wirklich wach war, fiel mir aber ein, dass Jan das Auto tagsüber braucht und ich irgendwie zu meinen Fischis hinkommen musste. Das lösten wir aber einfach so, dass Jan sich ein bisschen mehr  beeilte und mich zur Fabrik hinfuhr. Ums Zurückkommen musste ich mich dann später kümmern. Dort angekommen, erwartete mich dann erstmal die angenehme Überraschung, dass ich draußen arbeiten konnte, denn im Gegensatz zu der etwas hektischen Packarbeit in der Fabrik war diese Arbeit deutlich entspannter. Außerdem ist eine frische Brise um die Nase auch besser zu ertragen als die doch recht fischige Luft innen. Meine Arbeit bestand größtenteils darin, vor Kisten zu stehen, in die der gefangene Fisch befördert wurde und, sobald eine davon voll war, den Stopp-Knopf zu drücken und eine neue, leere Box zu holen. Dann tauschte ich die gefüllte Kiste gegen die leere. Gegen die Leere, die sich dadurch im Kopf ausbreitete, konnte man eigentlich nur eins machen, nämlich sich mit den anderen Arbeitern zu unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass einer der Supervisors nicht nur wie ich Gitarre, Schlagzeug und Klavier spielt, sondern auch bis vor ein paar Jahren Schlagzeuger der mittlerweile aufgelösten, in Szenekreisen ziemlich bekannten US-Metalcore-Band Burden of a Day war. Schon lustig, wen man in so einer Fischfabrik treffen kann. Die Schicht war dann nach nur 4 Stunden schon vorbei, da nicht besonders viele Tiere gefangen worden waren, daher musste ich dann gegen 12 Uhr mittags eine Möglichkeit finden, zum Hostel zu kommen. Ich hatte gehofft, dass Jan und ich etwa gleichzeitig fertig sein würden, damit er mich abholen kann, aber noch 6 Stunden warten wollte ich dann doch nicht. Ich überlegte schon, die 5 oder 6 Kilometer einfach zu laufen, als mir einfiel, dass ich die Telefonnummer vom Hostel hatte. Ich fragte also Rick, ob er mich abholen könne und das tat er, sogar ohne Spritgeld zu verlangen.

Für die letzte Nacht waren niedrige Temperaturen angesagt, was für Jan hieß, dass er wahrscheinlich mal wieder die armen kleinen Kiwifrüchte vorm Erfrieren bewahren müssen würde. So kam es dann auch; um halb zwei rief Joe an und bestellte Jan zur Plantage. Kurz darauf meldete er sich erneut, um zu sagen, dass Jan vorerst doch noch warten solle. Und gegen 3 Uhr nachts kam dann ein weiterer Anruf und diesmal musste Jan auch wirklich los. Heute Morgen hatte er eine Pause von 6 bis 8 Uhr, in der er wieder herkam, um ein bisschen zu schlafen, außerdem ist als Ausgleich für die Nachtschicht heute auch immerhin bereits um 16 Uhr Schluss.
Und ich sitze nach den letzten, eher regnerischen Tagen gerade auf einer Bank neben einer Palme im Sonnenschein und freue mich, dass der neuseeländische Frühling jetzt wohl endgültig erwacht.

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (1)

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  1. Stefan sagt:

    Hoffentlich hat sich die Billardtischmanipulation trotzdem gelohnt. War ja nett von euch, die beiden Mädchen finanziell zu entlasten. Backpacker halten eben zusammen. Gute Fahrt nach Rotorura.

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