Den Autoknackern sei Dank

| 28. Januar 2013 | 3 Kommentare

Die schöne Natur auf dem Campingplatz, nur etwas gestört durch die zwei Möchtegerntarzans

Tja, jetzt sind wir erstmal getrennt unterwegs: Jan trampt durch die Gegend und ich mache mit J.D. Neuseeland unsicher. Wie bereits erwähnt, verbrachte ich zunächst noch ein paar Tage auf der schönen DOC-Campsite relativ weit oben im Norden. Gleich am ersten Morgen wurde ich durch das Gejohle von ein paar Maoris, etwa Anfang 20, geweckt. Sie badeten und tollten nämlich in dem Fluss auf dem Campingplatz, der direkt hinter dem Van entlanglief, während sie Bier tranken und Gras rauchten. Um halb zehn! Das muss man auch wirklich wollen. Sie waren aber freundlich und grüßten, als ich mich draußen hinsetzte, um verschlafen mein Frühstück einzunehmen.
Später kam dann ein etwa fünfzigjähriger Kiwi vorbei, der sich als Russell vorstellte und mich fragte, ob er heute Abendessen für mich machen solle. Ich sagte natürlich dankend zu, sowas lässt man sich schließlich nicht entgehen. Er erzählte mir auch, dass die Stelle, wo J.D. stand, quasi das Freibad der lokalen Maori sei und deswegen immer ordentlich Betrieb dort sei. Das bewahrheitete sich auch, es waren fast immer ein paar Autos da. Und gerade der Typus junger Erwachsener, männlich, Sprücheklopfer mit dicker Hose war ziemlich oft vertreten. Das liegt wohl unter anderem daran, dass die meisten Maori tendenziell eher zur unteren gesellschaftlichen Schicht gehören und dann in dieser Region auch noch eine recht hohe Arbeitslosenquote ist, wie Russell sagte. Er machte dann auch das versprochene Abendessen, Hühnchen (endlich mal wieder Fleisch) mit Kartoffeln und Gemüse. Fantastisch!

Am nächsten Tag ging ich joggen, fand aber keinen Waldweg, weswegen ich die meiste Zeit direkt am Highway lief. Da der aber eigentlich eher eine schwach frequentierte Landstraße ist, war das kein großes Problem. Russell bot dann an, schon wieder mit ihm zu essen. Ich nahm natürlich an, offerierte aber meinerseits etwas Hilfe beim Streichen seines Busses. Also bemalte ich dann ein wenig mit roter Farbe die Front von seinem großen, campingtauglich ausgestatteten Bus und abends gab es wieder lecker Essen. Nach dem Essen kam ein Backpacker mit einem Fahrrad auf den Campingplatz und baute sein Zelt in der Nähe von meinem Van auf. Er war (natürlich) Deutscher, hieß Aron und war sehr nett. Außerdem stellte er sich ebenfalls als Scrubs-Verrückter heraus, also guckten wir natürlich noch ein paar Folgen auf meinem Laptop. Er machte sich aber am Tag darauf schon wieder vom Acker, da er insgesamt nur drei Monate hat und auf dem Fahrrad ja nicht übermäßig schnell vorankommt. Ich half Russell noch ein halbes Stündchen beim Streichen und diesmal gab es am Ende des Tages sogar ein ganzes Brathähnchen! Nach einer weiteren Bekanntschaft mit zwei lustigen Backpackern – kaum zu glauben: sie kamen aus Deutschland! Genau wie ich! – verließ ich mittags meine temporäre Heimat. Noch kurz von Russell verabschiedet und dann ging es los nach Whangarei. Dort habe ich mich dann direkt ins McGeschmacksverstärker gesetzt. Denn nach fünf Tagen in der Wildnis ohne Internet galt es erstmal, Nachrichten zu beantworten, den ganzen Schnickschnack wieder aufzuladen etc. Und dann musste ich mich mal wieder um einen Schlafplatz kümmern, der zwar unauffällig ist, aber nicht zu abgelegen, um unnötige Spritkosten zu vermeiden. Ich fuhr in eine kleinere Schotterstraße und fand einen guten Platz, allerdings war der Weg dorthin mit einem Baumstamm versperrt. Er war aber bewegbar und ich konnte ihn mit Müh und Not aus dem Weg hieven.

Blaues Meer, Boot und Bäume bei Sandspit

Tags darauf woolte ich weiter Richtung Süden, aber noch ein wenig an die Küste, daher fuhr ich einfach mal in ein kleines Örtchen an der See mit dem schönen Namen Sandspit. Ich stieg aus dem Van, drückte den Knopf runter, schloss die Tür – und bemerkte dann, dass der Schlüssel noch im Schloss steckte! Den Zweitschlüssel hatte Jan zwar dagelassen, er lag aber im Handschuhfach… Leider waren auch alle anderen Türen zu und ich somit ausgesperrt, also lief ich erstmal zum Hafen und fragte dort einen Typen, der an seinem Boot herumschraubte, ob er eine Idee hätte. Er sagte, vom Autoknacken habe er auch nicht so viel Ahnung, in dem Moment kam aber ein Freund von ihm vorbei, der genau das schon mal gemacht hatte. Natürlich nur bei seinem eigenen Auto, versteht sich. Er ging zur Lagerhalle, holte einen Schraubenzieher und Paketband und drückte es mir in die Hand. Dann erklärte er, ich solle eine Tür mit dem Schraubenzieher leicht aufdrücken, auf Knopfhöhe das Band als Schlaufe hineinschieben, um den Knopf legen und dann hochziehen. Ich war überrascht und erfreut über so viel Fachkenntnis, probierte es aus und es klappte tadellos. Jetzt weiß ich, dass man in unser Auto in 3 Minuten mit geringem Aufwand einbrechen kann, aber in dem Moment freute ich mich sehr über die geringen Sicherheitsstandards anno 1991. Erleichtert spazierte ich noch ein bisschen an der Küste entlang und fuhr dann in den nächstgrößeren Ort namens Warkworth. Ich stellte den Van an der Hauptstraße ab, lief durch die Straßen und guckte ein bisschen beim Senioren-Outdoorbowling zu – wohl das kulturelle Highlight von Warkworth. Nach etwa zwei Stunden wollte ich dann weiterfahren, musste aber feststellen, dass ich leider das Licht angelassen hatte und noch leiderer die Batterie mal wieder leer war. Ganz schön viel automobile Blödheit für einen Tag… Es fand sich aber ein freundliches Pärchen, das mir Starthilfe gab und so konnte ich meine Reise fortsetzen und fuhr bis zu den Ausläufern von Auckland, wo ich mich zum Campen in ein Neubau-Wohnviertel stellte. Das Viertel war durch und durch asiatisch, was man zum einen daran erkannte, dass fast nur Asiaten herumliefen, zum anderen daran, dass auf den Maklerplakaten nicht Ray White für den Hauskauf warb, sondern Sue Jiang. Man muss den Leuten eben immer geben, was sie kennen.
Heute Morgen wollte ich eigentlich in die Bücherei, die hat allerdings geschlossen, weil Gründungstag der Provinz Auckland gefeiert wird. Na gut, jetzt sitze ich eben in einem Café mit Steckdosen, um diesen Artikel zu schreiben und zu überlegen, was ich in der nächsten Zeit mache. Punkt 1: erstmal ausschlafen…

Kategorie: Allgemein, Blog

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Kommentare (3)

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  1. Stefen sagt:

    Wie schon mal vor laaaanger Zeit geschrieben:

    Wenn ihr wiederkommt, wenn, dann hätte ich gern ein paar Nachhilfestunden in der Fahrzeugtechnik…

    Gute Fahrt!

  2. Lea sagt:

    Echt cooles Bild
    viel Spaß beim ausschlafen 😉

  3. Stefan sagt:

    Ich vermute, auf deiner nächsten Einkaufsliste stehen jetzt Paketband und Schraubenzieher. Die müsstest du allerdings irgendwo außerhalb des Autos befestigen, dann kann nichts mehr passieren.
    Ein toller Blick, das Foto aus Sandspit. Das lädt zum Baden ein, finde ich. Gute Fahrt und schöne Grüße an J.D.- ist ein sehr sympathisches Auto.

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