Chilischotenauflauf mit dreierlei Glückspilzen

| 19. Januar 2013 | 4 Kommentare

Unser Reich. Rechts Fabian, links Sin Jat.

Wir haben den ersten Tag bei Sin Jat mit den Annehmlichkeiten des Spa-Pools noch genossen und uns dann auf den Teppich schlafen gelegt. Denn leider waren alle Matratzen in Benutzung und wir waren zu faul, unsere aus dem Van zu holen. Naja, halb so wild, als Backpacker kann man da locker drüber hinwegsehen. Am nächsten Tag bekamen wir dann eine Nachricht von Manuel, einem Deutschen, der unseren Blog öfter mal liest, auch gerade in Auckland war und ein Treffen vorschlug. Wir sagten zu und fuhren irgendwann nachmittags zu ihm ins Hostel. Wie gewöhnlich wimmelte es da von germans (sogar der fest angestellte Rezeptionist!), war aber sonst nett dort. Manuel entpuppte sich als leicht musikverrückt, was ihn mir natürlich gleich sehr sympathisch machte und ist auch sonst ein guter Kerl. Wir liefen ein bisschen durch die Innenstadt und kamen abends wieder ins Hostel zurück. Gerade hatten wir uns hingesetzt, als ein angetrunkener englischer Backpacker zu uns kam und uns erklärte, er habe eine Karte für das Red Hot Chili Peppers-Konzert, das in Kürze anfangen würde. Er wolle aber lieber mit seinen Freunden trinken und wäre bereit, das Ticket für 30 $ zu verkaufen. Jan und ich hatten ja Karten für die zweite Show am folgenden Tag, Manuel schlug aber natürlich zu. Die Zeit war knapp, also hieß es hüa J.D., auf zur Arena! Wir schafften es rechtzeitig und Manuels Berichte schürten noch etwas mehr Vorfreude bei uns – sofern das möglich war.

Am nächsten Tag war es dann soweit: Peppers-Time! Wir trafen uns aber vor dem Konzert noch in der Stadt mit Nora und Swantje, die wir aus Tauranga kennen. Nachdem wir über alte Zeiten geredet und die aktuellen Geschehnisse ausgetauscht hatten, war es auch schon langsam Zeit, zur Halle zu gehen. Vorher noch kurz zum Auto, um uns mit Energydrinks und Müsliriegeln auszustatten und dann ab in die Schlange. Nora und Swantje stellten sich mit an, wobei besonders letztere doch auch gerne ein Ticket gehabt hätte… aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert und so sagten ihnen wir vor den Kartenabreißern auf baldiges Wiedersehen. Und dann ging es los. Der erste Supportact hieß Gary Clark Jr., ein ziemlich cooler junger Bluesgitarrist und –sänger mit seiner Band. Zweite Vorgruppe war eine Punkband namens OFF!, deren Lieder selten über einer Minute Spieldauer hatten und ordentlich auf die Zwölf gingen. Jan, ich und noch ein paar andere machten gut Stimmung, worüber sich doch tatsächlich einige aufregten – ganz nach dem Motto „Halt stopp, das ist ein Rockkonzert, bleibt mal still stehen…“ Fünf Minuten vor Ende ihrer Spielzeit kündigte der Sänger noch fünf weitere Songs an und dann war es vorbei, worüber die meisten wohl recht froh waren; die Chili Peppers ziehen eben ein sehr gemischtes Publikum an. Nach einer halben Stunde Umbaupause war es dann eindlich soweit und der Hauptact begann zu spielen! Es kam natürlich sofort fantastische Stimmung auf, die bis zum Ende blieb. Das Konzert an sich war auch sehr gut, die Chilis bauten öfter mal Jams zwischen den Liedern ein (das sind quasi frei improvisierte Stücke), wodurch alles angenehm frisch und nicht so routiniert wirkte. Und auch die Setlist war ein guter Mix aus ihrer mittlerweile 30-jährigen Bandgeschichte; kurzum: wir waren begeistert!

Eigentlich wollten wir schon am folgenden Tag fahren, Sin Jat bot uns aber an, noch einen weiteren zu bleiben, was wir gerne in Anspruch nahmen. Vormittags sind wir mal wieder in die Innenstadt gefahren, um uns mit Joni und Abbi, den beiden Amerikanerinnen, mit denen wir ein Weilchen zusammen gereist sind, zu treffen. Nach ein paar Stunden haben wir sie dann in die Nähe der Autobahn gebracht, von wo sie dann weiter in Richtung Gisborne getrampt sind (und hoffentlich mittlerweile angekommen). Am Nachmittag wollten wir eigentlich Sin Jat noch ein bisschen am Haus helfen, das hatte sich dann aber erledigt, also gammelten wir nur noch ein bisschen rum und spielten mit ihm ein Gesellschaftsspiel, bei dem man sich ein Raumschiff baut und dann Herausforderungen im Weltall bestehen muss. Ja, genau. Ein Raumschiff. Im Weltall. Voll geil.

In den Abbey Caves. Der Selbstauslöser funktioniert!

Tags darauf verließen wir dann tatsächlich unsere Bleibe und fuhren planlos, wie immer, Richtung Norden. Wir campten bei Whangarei und fuhren am nächsten Morgen zu den Abbey Caves, ein paar Kilometer außerhalb der Stadt. Wir hatten gehört, dass man diese drei Höhlen mit Taschenlampen und Kleidung, die ruhig nass werden kann, durchqueren kann, ähnlich dem Cave Stream. Vom Parkplatz waren es noch ein paar Minuten Fußmarsch bis zum Eingang, wo zwei Irinnen auch gerade das Abenteuer begannen. Zusammen machten wir uns auf den Weg, allerdings hatten die beiden schon keine Lust mehr, als das Wasser Knöchelhöhe erreichte und kehrten wieder um. Jan und ich merkten aber auch, dass die eine Stirnlampe, die wir hatten, nicht mehr besonders stark war. Wir wollten dennoch auf jeden Fall in die Höhle und gingen zu einem Hostel ganz in der Nähe, wo wir eine nette Asiatin fanden, die uns eine Taschenlampe auslieh. Mit zwei Lichtquellen ausgerüstet machten wir uns erneut auf dem Weg und gingen zum Einstieg. Und was uns dahinter erwartete, war mit das beste, was wir bisher in Neuseeland erlebt haben! Man musste ab und zu klettern (was bei dem Stein aber meistens gut geht) oder durch enge Öffnungen kriechen, überall waren Stalagmiten, Stalagtiten, andere sonderbare Tropfsteingebilde und jede Menge Glühwürmchen. Nach einer ganzen Weile war dann fast jeder Gang, dem wir folgten, eine Sackgasse und wir beschlossen, in die nächste Höhle zu gehen. Aber wo war nochmal der Ausgang…? Wir fanden ihn zum Glück und folgten den Trampelpfaden durch das riesige Gelände, das wie eine merkwürdige Mischung aus Urwald und weitläufigen Wiesen voller Gesteinsbrocken aussah. Der Einstig in die zweite unterirdische Welt war etwas schwieriger, aber wir meisterten ihn ebenfalls. Diese Höhle war etwas kleiner als die erste, aber nicht weniger beeindruckend und teilweise wirklich schwer zu durchqueren. Danach machten wir uns auf in Höhle Nummer drei, die am trickreichsten war, mit manchmal hüfttiefem Wasser, in dem wir recht große Aale und Krabben sahen. Wir versuchten, das Wasser zu umgehen und an den Wänden zu klettern, was aber irgendwann nicht mehr ging und so wateten wir durch den Gang, bis wir auf der rechten Seite eine Öffnung in etwa drei Meter Höhe sahen, in der man einen gelben Pfeil erkennen konnte. Zuerst dachten wir, dass wir wohl nicht dort hoch kommen würden, dann fasste ich mir aber ein Herz und bekam es irgendwie hin. Unter dem gelben Pfeil stand „Out“, also war das wohl der Weg nach draußen. Jan schaffte es dann auch, die Felswand hochzukraxeln und kurz darauf waren wir wieder draußen und konnten die Taschenlampe zurückbringen. Wir hatten keine Uhr dabei und schätzten, es müsste so drei, halb vier sein, sooo lange waren wir ja wohl auch nicht drin gewesen. Am Auto sahen wir dann aber die Uhrzeit: halb sechs! Also: wer gerade oder bald in Neuseeland ist und nicht unter Klaustrophobie oder mangelnder Abenteuerlust leidet, sollte sich das nicht entgehen lassen!

Und nun sitzen wir, nach einer weiteren überstanden Nacht des freedom campings, im McAdipositas und klauen Strom. Wobei wir zur Abwechslung gleich wohl mal ein bisschen was kaufen werden, einen Cheeseburger oder so… diese kleinen, aufstrebenden Unternehmen unterstützt man ja immer gern.

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (4)

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  1. Stefen sagt:

    Seit Lea’s Geburtstag (heute) stehen bei Familie Weiß die „Toten Hosen“ als nächstes auf dem Programm.
    Der Schreiber und seine Frau schauen vorher noch beim Hermann van Veen vorbei.

  2. Stefan sagt:

    Das erste Work-and-travel-Konzert war also schon mal ein voller Erfolg. Ob das im April noch getoppt werden kann? Die RHCP finde ich ja nur so mittel, aber bei Muse wäre ich gerne dabei. Hier steht im Februar Helge Schneider auf dem Programm – das ist auch was Feines.

  3. Stefen sagt:

    Welche Taschenlampe gibt den Geist auf, doch hoffentlich nicht die stirnlampe?
    Meine, baugleich mit Jans, aber 3 Jahre älter, ist nämlich immer schwächer geworden.
    Musste mir eine neue kaufen.
    Bei der letzten Höhlenwanderung hattet ihr Ersatzbatterien dabei.
    Habe den Eindruck, ihr werdet erfahrener, routinierter und nachlässiger.
    Super Eindrücke dir ihr schildert, wirklich beeindruckend und beneidenswert – Abenteuer pur!

  4. Lea sagt:

    Hört sich spannend an, durch diese Höhlen zu wandern …
    Auch mal schon ein Bild von euch beiden zusehen

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