Am Abgrund des guten Geschmacks

| 22. Dezember 2012 | 7 Kommentare

Locker mal die Birne geschoren.

So, der nächste Blogeintrag folgt hiermit schon quasi auf dem Fuße, es passiert aber auch einfach so viel, dass wir uns mit dem Schreiben mächtigst ranhalten müssen.
Nachdem wir David, den Ir(r)en, Dienstagabend in Queenstown abgesetzt und unsere Bungeesprünge sowie eine Bootsfahrt durch die Milford Sounds gebucht hatten, suchten wir erstmal einen Schlafplatz. Zum Glück konnten wir auf bereits gesammeltes Queenstown-Insiderwissen zurückgreifen und kannten eine gute Stelle hinter dem Warehouse-Markt. Ein weiterer Vorteil davon war, dass wir, oder eher ich, am nächsten Morgen einen Einkauf erledigen konnten: einen Clipper! (Bzw. eine Haarschneidemaschine, ich weiß gar nicht, ob es dafür ein gutes deutsches Wort gibt). Denn auf Dauer ist das billiger, als zum Frisör zu gehen. Allerdings sollten wir zunächst feststellen, dass zu billig sich in diesem Fall nicht lohnt. Denn es gab einen für 17$ zur Auswahl, der andere kostete 49. Die Entscheidung nach Backpackerart fiel also nicht schwer (es kostet wenig, ich will es haben). Allerdings schnitt das Teil, aus welchen Gründen auch immer, die Haare nicht wirklich, sodass wir nach ein paar Versuchen aufgaben, das Gerät zurückbrachten und das teurere mitnahmen. Klappe die zweite also, mithilfe des Transformators im Van begannen wir mit der Tortur, pardon, Frisur. 10mm-Aufsatz drauf und los. Aus Spaß sagte ich Jan, er solle doch mal einen Iro in der Mitte stehen lassen, das würde doch bestimmt lustig aussehen. Gesagt, getan und irgendwie fand ich dann, dass es gar nicht schlecht aussah… jetzt laufe ich also mit einem Irokesenschnitt durch die Gegend. Eigentlich hatte Jan sich bis dahin standhaft geweigert, überhaupt eine Kurzhaarfrisur auszuprobieren, geschweige denn mich sie schneiden zu lassen. Aber kurzfristig entschied er sich um und wollte auch einen geschorenen Kopf haben. Ich fing also an, und ich ließ, mal wieder nur als spontane, blöde Idee, die Haare obendrauf lang. Auf einmal sah das aber auch gut aus und somit hat Jan nun eine Art Sidecut. Frisch frisiert gingen wir dann ins Schwimmbad (aka des Backpackers Badezimmer) und trafen dort prompt mal wieder deutsche Bekanntschaft aus Tauranga. Robin, Fabi, Stefan und Sophia mit Tim als neuem Gesicht im Gepäck. Wir machten Essen zusammen und verbrachten den Rest des Tages bei McDagobert bzw. im Park. Abends gingen wir dann noch in eine Bar und gönnten uns eine Runde Poker, bei der Sophia als absolute Anfängerin die komplette männliche Konkurrenz eiskalt abzog.

Jup, da gehts ein paar Meter runter.

Am nächsten Tag standen unsere Sprünge an! Um halb eins ging es los und so langsam stieg die Nervosität. Nach einer Busfahrt in die Wildnis sahen wir dann die Plattformen und waren wirklich beeindruckt, wie hoch die dann doch wirkten… schlotter… Als erstes war Jan dran, der einen regulären Bungeesprung machte. Wir fuhren mit einer kleinen Gondel mit drei weiteren Springern hinaus auf die Plattform und schon wurde Jan vertäut und stellte sich an die Kante. 5, 4, 3, 2, 1, Bungee! Da flog er hinunter, wurde kurz darauf wieder hochgezogen und war begeistert. Auch den anderen gefiel es sehr gut, dann fuhren wir zurück zur Station und es wurde ernst für mich. Ich hatte keinen klassischen Bungeesprung gebucht, sondern die „Nevis Swing“, bei der man nach dem freien Fall noch in der Schlucht hin und her schwingt. Auf der Plattform wurden mir auch Gurte angelegt, allerdings setzte ich mich dann quasi direkt über den Abgrund und wartete darauf, dass der Bungeemensch meines Vertrauens den Knopf drückte, der mich in die Tiefe katapultieren würde. Er sagte mir, ich solle selbst herunterzählen: 5, 4 – und ab ging es! Auch mir gefiel es sehr gut, der überraschende Abflug machte es nur noch besser.
Zurück in der Königinnenstadt schlenderten wir noch ein bisschen durch die Straßen, von denen es nicht besonders viele gibt, man fühlt sich wie in einem kleinen Skiort. Dann gönnten wir uns Fergburger (empfehlenswert!!!) und Jan kaufte sich eine lustige Weltkarte, bei der alles auf dem Kopf steht und Neuseeland somit ganz obenauf ist. Und danach wollten wir, nach dem gescheiterten ersten Versuch, endlich zum Milford Sound fahren. Für die Bootsfahrt, die wir gebucht hatten, mussten wir am nächsten Morgen um 9 Uhr da sein, daher begannen wir die 300 Kilometer lange Reise schon am Abend. Im letzten Ort vor den Sounds tankten wir und bekamen eine schlechte Nachricht: wegen starken Regens würde der Tunnel unmittelbar vor dem Ziel am Morgen darauf wohl bis 11 Uhr gesperrt sein, was das Ende unserer Milford-Pläne bedeuten würde. Wir ließen es darauf ankommen und fuhren bis zum letzten Campingplatz vor der Sperre.

Magisches Milford

Morgens um 7 klingelte der Wecker, wir machten uns auf den Weg und – der Tunnel war immer noch gesperrt. Tideli, motherfuckaaaaaaaaa. Trotzdem fuhren wir nach der Öffnung um 11 in Richtung Milford, mit dem Ziel, unsere Tour auf den nächsten Tag umzubuchen. Zum Glück hatte der Veranstalter ein Einsehen, auf die lockere Art der Kiwis ist eben Verlass. Den restlichen gestrigen Tag verbrachten wir gammelnderweise auf dem Parkplatz, genossen die Aussicht und das ausgesprochen gute Wetter. Abends fuhren wir zurück zu unserer Schlafstätte von der vorigen Nacht und machten noch einen Waldspaziergang. Danach machten wir aber leider auch Bekanntschaft mit dem DOC-Ranger, der Campinggebühren haben wollte. Jaaa, ok Herr Ranger, wenn sie das so sagen… Naja, wir hatten Vater Staat ja schon oft genug um den Lohn für seinen Aufwand in Form von guten Campingplätzen gebracht, da machte eine bezahlte Nacht auch nichts aus.
Heute standen wir dann erneut um 7 auf, diesmal aber nicht umsonst, denn wir schafften es rechtzeitig zum Schiff, das Wetter war gut und die Anblicke waren wirklich fantastisch. Backpacker, die in Queenstown sind oder vorhaben dorthin zu fahren, sollten sich das nicht entgehen lassen! Außerdem lernten wir ein nettes kanadisches Pärchen kennen und picknickten danach noch zusammen. Gratismuffins für uns inklusive.

Wir verabschiedeten uns daraufhin von Mr und Mrs Canada und vom Milford Sound und starteten den nächsten Teil unserer Reise: Nordwärts! Auf dem Weg nahmen wir noch Joni und Abbi, zwei amerikanische Backpackerinnen mit, die mit ausgestreckten Daumen und dicken Rucksäcken am Straßenrand standen, und sitzen nun zu viert im McFleischErsatz. Hier gibt es übrigens seit Neustem kein kostenloses Internet mehr, sondern erst, nachdem man etwas zu essen gekauft hat. Ein fieser Tiefschlag gegen die neuseeländische Schnorrerpartei, zu deren stolzen Mitgliedern wir uns zählen. Und sobald dieser Artikel gleich für immer ins Gedächtnis des Internets gebrannt ist, machen wir uns wieder auf den Weg. Richtung: Norden. Ziel: Offen.

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (7)

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  1. Ralph sagt:

    Hallo Fabian,

    wir haben auf unserer Reise Robin, Fabi, Stefan und Sophia auch kennengelernt und leider habe ich die E-mail Adressen verloren. Hast du noch zufällig Kontakt zu den Vier?

    • Jan sagt:

      Moin Ralph,
      ich hab Fabi das mal weitergeleitet. Ich hab keine Kontaktdaten von den viern…

    • Fabian sagt:

      Hey Ralph, habe leider auch keinen Kontakt mehr zu ihnen. Aber vielleichtfindest du sie ja noch irgendwoin den Untiefen der neuseelandaffinen Internetseiten.
      Grüße, Fabian

  2. Stefen sagt:

    ihr seid echte multitalente
    ich finde, ihr seht super aus
    fantastisch, was ihr erlebt

  3. Carina sagt:

    Jan, die Frisur steht dir. Unbedingt so lassen. 🙂

  4. Opa Helmut sagt:

    Bauarbeiter könnt ihr, Friseur (noch) nicht.

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