Auf der Überholspur

| 15. Oktober 2012 | 3 Kommentare

Wir haben Queenstown nach drei Tagen wieder verlassen, allerdings nur noch zu dritt. Denn Jannik ist am letzten Tag dort aus privaten Gründen nach Hause gereist, sodass Kaddo, Jan und ich uns in Trundle und J.D. in Richtung Wanaka aufmachten.

Da angekommen guckten wir uns erstmal die Innenstadt an, was nach etwa 5 Minuten abgehakt war. Dann statteten wir noch der Information einen Besuch ab und beschlossen, am nächsten Tag in die Puzzling World zu gehen, wo es eine Menge Bilder und Räume mit optischen Täuschungen und sonstigem Illusionskrams gibt, außerdem ist dort ein riesiges Labyrinth. Zunächst aber mussten wir uns wie immer um eine (möglichst kostenlosen) Nächtigungsstätte bemühen. Nils, bei dem wir in Dunedin drei Tage gewohnt hatten, meinte, dass man in der Region Queenstown/Wanaka besonders mit Wildcampen aufpassen sollte. Daher fuhren wir ein bisschen raus aus der Stadt und fanden am Rande eines Industriegebiets einen guten Platz. Nach einer Nacht ohne unliebsame Zwischenfälle ging es am nächsten Morgen los zur Puzzling World. Nachdem wir dort erstmal in dem Irrgarten, wie verlangt, alle vier Ecken einmal besucht hatten, was mindestens eine Stunde dauerte, blieben wir noch eine Weile in den anderen Räumen und amüsierten uns. Besonders lustig war ein Bereich, wo der Boden, die Wände und die restliche Einrichtung in verschiedenen Winkeln schief waren. Weil dazu noch überall Spiegel waren, hat man ab und zu den Gleichgewichtssinn verloren und ist rumgestolpert oder gegen die Wand gelaufen. Insgesamt eine lohnenswerte Sache!

Ganz schön schräge Vögel!

Danach ging es weiter die Westküste hoch und nach ein paar Stunden Fahrt steuerten wir einen DOC-Campingplatz an, von dem wir eigentlich dachten, dass er kostenlos ist. Es stellte sich aber heraus, dass man pro Nacht 6 Dollar bezahlen musste. Das Prinzip dort ist so, dass man in einen Umschlag das Geld tut, den Umschlag in einen Kasten steckt und in sein Auto einen kleinen Zettel  legt, auf dem die Anzahl der Nächte steht. Klingt erstmal sehr leicht auszunutzen, allerdings steht neben dem Kasten auf einer Infotafel, dass jeden morgen sehr früh ein Ranger vorbeikommt und kontrolliert, ob auch alle brav bezahlt haben. Da wir keine Lust hatten, noch einen anderen Platz zu suchen und außerdem nach zahlreichen Nächten verbotenen Campens auch mal was für unser Karma tun wollten, bezahlten wir also die geforderte Summe. Wir wissen leider nicht, ob wir auch kontrolliert wurden, da „sehr früh morgens“ einfach zu früh ist, aber vielleicht haben wir ja dadurch etwas mehr Fortune bei unseren zukünftigen Gesetzesverstößen. Natürlich haben wir den Campingplatz noch komplett genutzt und unsere insgesamt etwa 13 Liter fassenden Trinkwasservorräte bis zum Anschlag aufgefüllt.

Die nächste Herausforderung bestand darin, irgendwo eine Stelle mit Handyempfang zu finden (2degrees olé), um Wanderungen auf dem Fox-Gletscher zu buchen. Wir hatten uns in Queenstown schon bei einem Laden danach erkundigt und die entsprechende Telefonnummer wählbereit im mobilen Kommunikationsapparat, nur das Signal fehlte. Wir fuhren also weiter und irgendwann zeigte das Display doch tatsächlich einen von fünf Empfangsbalken! Völlig von den Socken vor Begeisterung riefen wir dort an und konnten trotz schlechter Gesprächsqualität unser Programm buchen. Kaddo und ich begnügten uns mit der (billigeren) Halbtagswanderung, während Jan sich die volle Breitseite geben wollte und eine Ganztageseiskletter(tor)tour plante. Nachdem das Organisatorische erledigt war, setzten wir die Fahrt fort und suchten eine Tankstelle. In dem nächsten Ort, Haast, fanden wir aber zunächst mal nur einen kleinen, vom Regen durchnässten Pudel. Er hatte zwar ein Halsband, ein Besitzer war aber nicht in Sicht, also holten Kaddo und ich eine Menge Klopapier von den öffentlichen Toiletten und rubbelten ihn trocken. Danach ließ er sich auch freudig streicheln, verschwand aber kurz darauf in einer Straße. Weiter ging es also zur Tankstelle kurz hinter Haast, allerdings schwante uns schon bei dem Schild „Letzte Tankstelle für 120 Km“ Böses. Und tatsächlich, bei normalen Literpreisen um 2,18$ kostete er hier saftige 2 Dollar und 36 Cent. Notgedrungen tankten wir aber ein paar Liter, da wir nach der Kurz-vor-knapp-Aktion in Kaikoura nichts riskieren wollten. Auch in Wanaka waren die Spritpreise schon etwas gesalzener gewesen, daher sollte man, wenn man von Süden aus die Westküste hochfährt, auf jeden Fall in Queenstown oder Frankton nochmal volltanken. Neu gestärkt folgte dann auf der Strecke nach Fox ein ganz besonderer Moment für uns und J.D.: Wir überholten das erste Gefährt, das kein Traktor, Moped, Dreirad, oder sonstwie invalide war. Ein ganz normales Auto! Es war zwar ein Van und bei dem starken Seitenwind, der auf der Straße herrschte, schien dessen Fahrer etwas Angst vor Schwankungen zu haben und fuhr deshalb nicht gerade Höchstgeschwindigkeit, aber trotzdem. Wir können es doch.
In Fox suchten wir uns einen kostenlosen Campingplatz etwa 15 Kilometer außerhalb der Stadt und fuhren dort aufgrund des starken Regens und der schlechten Sicht prompt auf einen Bereich mit vielen kleineren Steinen. Da die alle schön nass waren, meinte J.D. erstmal, mitsamt seiner Reifen durchdrehen zu müssen. Also hieß es für Kaddo und mich: Schieben. Nach 5 Minuten hatten wir es endlich geschafft, waren aber bis auf die Knochen durchnässt, genauso wie die Klamotten, die wir eigentlich am nächsten Tag für die Gletscherwanderung anziehen wollten. Das war uns aber auch egal und wir gingen schlafen, weil wir um 7 wieder aufstehen mussten.

Da hängt der Jan in der Wand

Beim Einchecken für die Wanderung sah es dann erst etwas problematisch aus, da wir ja übers Telefon gebucht und keinen Beleg für die Bezahlung hatten, zudem hatte unser Organisator noch nicht geöffnet, konnte es also auch nicht bestätigen. Aber locker wie die Neuseeländer sind, sagte uns die Frau am Schalter, sie würde später nachfragen, wir sollten einfach mal mitgehen und danach nochmal vorbeischauen. Das haben wir aber leider (wirklich!) vergessen. Die Wanderung an sich war dann mit rund drei Stunden recht kurz, trotzdem absolut lohnenswert. Auch unser Führer war sehr gut und außerdem ein echt cooler Typ, eben ein typischer, brofessioneller Kiwi. Während der Tour sahen wir auch Jan zweimal in der Wand hängen, er hatte als einziger überhaupt den Klettertrip gebucht und trotz schlechten Wetters mächtig Spaß beim Klettern. Danach durften wir auch noch alle zu seinem Guide mit in die Wohnung, er heißt Martin und kommt aus Baden-Württemberg.

Wir verließen dann den Gletscher und, da der Sprit in Fox auch sehr teuer ist, ließen wir uns doch wieder auf eine Risikopartie ein und planten, später zu tanken. Wir schafften es bis Ross, ein kleines Städtchen an der Küste, wo die Tankstelle allerdings schon geschlossen hatte. Also campten wir in einer Straße und sahen am nächsten Morgen, dass der Sprit fröhliche 2,48 Dollar kostete. Daher tankten wir wieder nur ein bisschen und hofften auf bessere Preise. Dann fuhren wir weiter zu einem kostenlosen Campingplatz am Lake Pearson, und kaum waren wir da, schien den Rest des Tages die Sonne, was nach dem schlechten Wetter an den Tagen zuvor wirklich sehr angenehm war.

Einfach mal angehalten und fotografiert

In der Nähe dieses Sees gibt es einen Fluss, den Cave Stream, der sich an einer Stelle durch einen Berg gefressen und so eine ziemlich lange Höhle geschaffen hat. Und durch diese Höhle kann man mit Taschenlampen und warmen Klamotten in normalerweise etwa hüfttiefem Wasser laufen, das Ganze nennt sich dann „Caving“. Allerdings ist im Frühling das Wasser durch die Schneeschmelze eisig kalt und außerdem recht hoch, daher wussten wir nicht, ob es überhaupt möglich ist. Jan und Kaddo wollten es am nächsten Morgen trotzdem versuchen und standen (schon) gegen 9 Uhr auf, ich blieb liegen und wollte dann später zum Parkplatz fahren. Nach einem gemütlichen Frühstück fuhr ich dann hin und wartete. Als es irgendwann zwölf war, fing ich an, mir Sorgen zu machen, denn eigentlich dauert die Tour maximal eine halbe Stunde und immerhin ist schonmal eine Frau in dieser Höhle gestorben. Ich guckte beim Ein- und Ausgang nach, fand aber niemanden und beschloss kurz danach, die DOC-Hotline anzurufen und um Rat zu fragen. Da es auf dem Parkplatz mal wieder keinen Empfang gab, fuhr ich einige Kilometer bis zu einem Bed and Breakfast und hoffte, dort telefonieren zu können. Als ich ankam, wurde ich auf einmal von hinten angehupt und hinter mir stand – Trundle mitsamt Jan und Kaddo. Die beiden waren gar nicht erst in die Höhle gegangen, weil das Wasser zu tief war, sondern hatten noch bei zwei Neuseeländern im Van und danach nahe der Höhle rumgesessen. Und wie es der Zufall wollte, kamen sie gerade in dem Moment zurück, als ich wegfuhr, was ich allerdings nicht bemerkte; daher waren sie mir gefolgt.

Nachdem also die Aufregung umsonst gewesen war, setzten wir die Reise fort und kamen vorhin in Christchurch an, leider musste Kaddo Trundle heute zurückgeben. Aber hier haben wir immerhin mal wieder Strom und Internet bei McDödel und morgen hoffentlich auch mal wieder eine Dusche. Und gerade eben hatten wir mal wieder einen dieser Ach-wie-klein-dieses-Land-doch-ist-Momente, als wir hier im Fastfoodrestaurant eine Französin trafen, der wir in einer Filiale derselben Kette in Queenstown schon begegnet waren. Und in Neuseeland sieht man sich ja bekanntermaßen immer dreimal, also warten wir mal ab. Die restlichen Stunden des Tages verbringen wir jetzt wohl noch im Netz und suchen mal wieder einen Job, denn der Urlaub ist aus monetären Gründen leider bald vorbei…

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (3)

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  1. Stefen sagt:

    Gletscher…….?
    Da habe ich mich noch nicht ran gewagt.
    Aber war natürlich auch klasse Betreuung.
    Dann können wir das ja mal gemeinsam machen, aber auf dieser Seite der Erde.
    Muskelkater: Dann war das ja mal wieder ’ne richtig harte Trainingseinheit!

  2. Lea sagt:

    Geht Kaddo, jetzt demnächst schon wieder nach Hause?
    Klettern beim Gletscher, stell ich mir cool vor 🙂
    Das optische Täuschungen Haus, erinnert mich an Usedom, an das Verkehrtrume Haus 🙂

    Viel spaß noch,
    wir sind jetzt gerade in der Nähe von Dresden im Urlaub

    • Jan sagt:

      Ne, bleibt noch länger hier.
      Der Gletscher war fantastisch, trotz Regen und Wind bis 100 km/h. Ich hatte auch ganz ordentlich Muskelkater danach
      Der eine Raum hat mich auch total an Usedom erinnert, gab aber noch viel anderes.
      Viel Spaß!

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