Ein bisschen Stahl muss sein

| 1. November 2012 | 7 Kommentare

Es könnte uns wirklich schlechter gehen! Das Wetter ist super, das Haus ist schön und Jans Job, der am Anfang eigentlich ja nur einen Tag dauern sollte, läuft und läuft und läuft. Seit Montag konnte er jetzt jeden Tag arbeiten, obwohl sein Chef schon ein paarmal meinte, der nächste Tag sei dann aber auch wirklich der letzte. Am Montag hat sich außerdem Mark, unser Jobbeschaffer von der Agentur, gemeldet; er hatte mir nämlich einen Eintagesjob für den nächsten Tag besorgt. Natürlich auch auf einer Baustelle und zwar in der Nähe von Jans Arbeitsstätte, sodass wir morgens zusammen aufbrachen. Jan fängt um 7 an, ich musste aber erst eine halbe Stunde später da sein, daher fuhren wir zu seiner Baustelle und ich suchte und fand danach auch meine, mithilfe einer von google maps abgemalten Straßenkarte. Höchst professionell, das Ganze. Ich zog also meine Weste und meinen Helm, die Mark Jan am Tag zuvor zur Arbeit gebracht hatte, an bzw. auf. Dann ging ich zum Büro und meldete mich beim Manager, Phil. Ich musste daraufhin ein Formular ausfüllen, was auch kein Problem war, bis zum Punkt „Sicherheitskleidung“. Denn ich hatte zwar meine Weste und mein Helmchen, aber keine Stahlkappenstiefel. Mark hatte leider vergessen, sie Jan mitzubringen und ich deswegen ein Problem. Phil erklärte mir, ohne diese könne ich nicht arbeiten, also rief ich meine Agentur an. Die Frau am Telefon sagte, Mark würde erst um 8 Uhr anfangen, mich dann aber sofort zurückrufen. Also wartete (schlief) ich noch etwas im Van. Um kurz nach acht rief er an und sagte, er würde demnächst vorbeikommen und mir Schuhe bringen, die ich allerdings, wie Jan auch, kaufen müsste. Ich wartete also weiter und gegen 9 kam er dann endlich mit einem brandneuen Paar Safety Boots Größe 10, die perfekt passten.

Voller Tatendrang machte ich mich erneut auf zum Büro und füllte das Formular diesmal auch komplett aus. Danach fragte mich Manager-Phil, ob ich schon mal auf einer Baustelle gearbeitet hätte. Ich verneinte wahrheitsgemäß, aber etwas unüberlegt. Denn daraufhin beschwerte sich Phil bei Mark, dieser habe gesagt, ich hätte bereits Erfahrung auf dem Bau. Ich schob aber schnell hinterher: „Also in Neuseeland habe ich noch nicht auf dem Bau gearbeitet, in Deutschland schon!“ Mark stimmte mir erleichtert zu, Phil schien zufrieden und ich konnte endlich anfangen. Die Arbeit, die ich dann zu verrichten hatte, erforderte allerdings keinerlei Vorkenntnisse: im Prinzip musste ich die gesamte Baustelle aufräumen. Denn im Laufe des Tages würde es eine Sicherheitskontrolle geben, daher mussten Stolper-, Rutsch- und sonstige Todesfallen beseitigt werden. Ich fuhr also schön mit der Schubkarre über und um das Gelände und spielte Müllmann. Nach der Mittagspause musste ich einen Kiesweg anlegen (Kies zu schaufeln geht auf Dauer echt auf den Rücken) und den Rest des Tages fegte ich das Fundament. Abschließend füllte Phil noch meinen Arbeitsbeleg aus, wobei er großzügigerweise die eineinhalb Stunden, die ich auf meine Schuhe gewartet hatte, dazuzählte. Durch Warten hatte ich bis dahin auch noch kein Geld verdient. Nach Arbeitsschluss wollten Jan und ich uns eigentlich per Handy absprechen, wie wir den Heimweg regeln, da das Ende bei uns beiden recht offen war, doch mein Akku war leer. Ich fuhr also zu seiner Baustelle und zum Glück hatte er auch gerade Schluss, sodass niemand warten musste.

Gestern ging es für Jan wieder zur Arbeit, ich wartete zuhause. Mittags rief aber Mark an und erzählte, ich könne die nächsten drei Freitage wieder zu meiner Baustelle, da der Boss recht zufrieden gewesen sei. Ich sagte natürlich zu und habe jetzt immerhin einen Freitagsjob, mal schauen, was mit dem Rest der Woche wird. Und der heutige Tag sah recht ähnlich aus, Jan hat gearbeitet, ich war Laufen, habe Gitarre gespielt und die beste Serie der Welt geguckt (fängt mit S an und hört mit crubs auf). Außerdem wurde heute noch der fünfte Geburtstag von Roberts Tochter Anna „vorgefeiert“. Denn weil Robert ja geschieden ist, ist Anna an ihrem eigentlichen Geburtstag am Montag nicht hier, sondern bei ihrer Mutter. Aber zweimal Geburtstag zu haben findet sie bestimmt auch nicht schlecht.
Und jetzt heißt es für uns mal wieder früh ins Bett, um morgen noch früher aufzustehen. Was tut man nicht alles für den schnöden Mammon.

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Kategorie: Blog, Neuseeland

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Kommentare (7)

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  1. Imta sagt:

    Ich freue mich immer sehr über eure Berichte und wünsche euch weiterhinviel Glück und Spaß in Neuseeland. Wielange dauert eure Reise noch? Gruß,Imta

  2. Stefan sagt:

    Ich vermute mal, dass Manager-Phil diesen Blog nicht verfolgt – ich kann mich nämlich momentan nicht so genau an die Anzahl der vielen Baustellen erinnern, auf denen du in Deutschland schon gearbeitet hast (Zimmer aufräumen zählt dabei nicht mit).
    Wie war denn die Geburtstagsfeier? Gibt’s in Neuseeland auch Topfschlagen?

  3. Opa Helmut sagt:

    Das muss wohl in der Familie liegen. Mein Enkel Neil, was dein Cousin ist, will schon seit seinem 4. Lebensjahr Bauarbeiter mit Helm werden.
    Gruß aus Hamburg von Opa Helmut.

    • Fabian sagt:

      Hallo Opa, also in Christchurch hätte Neil bestimmt gute Chancen, aber dazu ist er wohl noch ein paar Jährchen zu jung.
      Viele Grüße zurück in die schönste Stadt der Welt!

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